Archive for the 'Gedichte: Krieg' Category

Nicht schuld daran zu sein!

Posted in Gedichte: Krieg on Mai 7th, 2006

Arnold Boecklin 002

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
….Und rede du darein!
’s ist leider Krieg - und ich begehre
….Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
….Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
….Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
….Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
….In ihrer Todesnot?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
….So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
….Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch’ und ihre Nöten
….Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
….Von einer Leich herab?
Was hülf mir Kron’ und Land und Gold und Ehre?
….Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg - und ich begehre
….Nicht schuld daran zu sein!

(Matthias Claudius, vor 250 Jahren)

Krieg

Posted in Gedichte: Krieg on Mai 7th, 2006

Bootsfluechtling

Vater, du verließest mich,
ich konnte gerad’ erst steh’n.
Das Vaterland, es brauchte dich —-,
es gab kein Wiederseh’n.

Wie gerne hätte ich mit dir
einmal geweint, gelacht,
hätt’ froh erlebt, wenn du mit mir
den ersten Schritt gemacht.

Ich kenne deine Stimme nicht
und sehn’ mich so nach ihr.
Die unerfüllte Sehnsucht
verklingt wohl nie in mir.

Nie durfte ich erfahren
das Streicheln deiner Hand.
Du opfertest dein Leben
und starbst im fremden Land.

Warum begreift die Menschheit nicht,
daß Krieg nur Wahnsinn ist?
Zurück bleiben Not und Traurigkeit,
Leid, das man nie vergißt.

(Annegret Kronenberg)

Krieg dem Kriege

Posted in Gedichte: Krieg on Mai 7th, 2006

Chateau Wood Ypres 1917

Sie lagen vier Jahre im Schützengraben.
Zeit, große Zeit!
Sie froren und waren verlaust und haben
daheim eine Frau und zwei kleine Knaben,
weit, weit -!

Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt.
Und keiner, der aufzubegehren wagt.
Monat um Monat, Jahr um Jahr…

Und wenn mal einer auf Urlaub war,
sah er zu Hause die dicken Bäuche.
Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche
der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft.
Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft:
“Krieg! Krieg!
Großer Sieg!
Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!”
Und es starben die andern, die andern, die andern…

Sie sahen die Kameraden fallen.
Das war das Schicksal bei fast allen:
Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod.
Ein kleiner Fleck, schmutzigrot -
und man trug sie fort und scharrte sie ein.
Wer wird wohl der nächste sein?

Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen.
Werden die Menschen es niemals lernen?
Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt?
Wer ist das, der da oben thront,
von oben bis unten bespickt mit Orden,
und nur immer befiehlt: Morden! Morden! -
Blut und zermalmte Knochen und Dreck…
Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck.

Der Kapitän hat den Abschied genommen
und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen.
Ratlos stehen die Feldgrauen da.
Für wen das alles? Pro patria?

Brüder! Brüder! Schließt die Reihn!
Brüder! das darf nicht wieder sein!
Geben sie uns den Vernichtungsfrieden,
ist das gleiche Los beschieden
unsern Söhnen und euern Enkeln.
Sollen die wieder blutrot besprenkeln
die Ackergräben, das grüne Gras?
Brüder! Pfeift den Burschen was!
Es darf und soll so nicht weitergehn.
Wir haben alle, alle gesehn,
wohin ein solcher Wahnsinn führt -

Das Feuer brannte, das sie geschürt.
Löscht es aus! Die Imperialisten,
die da drüben bei jenen nisten,
schenken uns wieder Nationalisten.
Und nach abermals zwanzig Jahren
kommen neue Kanonen gefahren. -
Das wäre kein Friede.
Das wäre Wahn.

Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.
Du sollst nicht töten! hat einer gesagt.
Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt.
Will das niemals anders werden?
Krieg dem Kriege!
Und Friede auf Erden.

(Kurt Tucholsky, 1919)

Kein Traum

Posted in Gedichte: Krieg on Mai 7th, 2006

Landminenopfer Maputo

Grausam ist’s: Hunger, Leid und Tod;
dass so viele Menschen ohne Wasser und Brot.
Sterben im Sekundentakt, tack, tack, tack;
Die Augen leer, der Körper nackt.

Stell’ Dir vor, du wärst ein hungerndes Kind,
mager, krank, die Augen blind.
Ein Bein verloren durch eine Mine,
trägest du eine metallene Schiene.

Metallen, wie die grausamen Täter,
töteten Söhne, Töchter, Mütter und Väter.
Deine kleine Schwester, gerade 6 Jahre jung,
nahmen Sie mit, Vergewaltigung.
Kannst Du hören wie Ihre Stimme schallt?
So leise, ängstlich, wimmernd und kalt!

Kalt, gleich dem Herzen dieses schrecklichen Mannes,
ein böser Wolf, Mörder des unschuldigen Lammes.

Du willst Deine Schwester tanzen sehen.
Lachend, springend, oh lieblicher Wind,
nicht krank, nicht alt, so zartes Kind.
Gewiss, Morgen musst Du an Ihrem Grabe stehen.

Lebenswertes, lebenswürdiges Leben, wo bist Du geblieben?
Hab mich doch Liebe, Freundschaft und Frieden verschrieben.
Nachts, ein Traum, meine Schwester, vergessene glückliche Tage,
lacht, schreit, tollt und trägt Menschheit zu Grabe!

Oh Menschheit, was hast du gemacht?
Krieg, Leid, Tod, bitter kalte, dunkle Nacht.
Schwarze, kalte, so düstere Nacht,
könnt Ihr es hören, das Böse, es lacht.

Dunkelheit, sich vermehrend so schnell,
Herzen der Menschen, erlischendes hell.
Einziges hoffen, dass selbst der kleinsten Kerze,
nichts anhaben kann, die schwärzeste Schwärze!

Oh Hoffnung, welch liebliches Dinge,
dass, in aller Menschen Sie erklinge,
Licht, Friede, Freude, der rechte Wege,
bald der Mensch wieder menschlich lebe.

Hört, Eure innere Stimme, sie spricht,
weckt Kraft, Mut und Zuversicht.
Seht, der Mensch, der mit dem Kriege bricht,
aus Hass wird Liebe, aus Schatten Licht.

(Dieses Gedicht wurde von einem 19-jährigem Mann als Hausaufgabe im Deutsch-Unterricht geschrieben. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Pablo und beim Denkforum.at)

H. Andrews

Posted in Gedichte: Krieg on Mai 7th, 2006

USMC Irak.Nov

Death come easy if you come before your time
Death come easy to a young man in his prime
They put a gun in my hand
Said, Fight for the freedom of your land
Death come easy to a young man in his prime

Life was easy I could want for nothing more
Life was easy then there came the call for war
I left my family left my home
With the army I was forced to roam
Life was easy then there came the call for war

Love was easy with my lady I would stay
Love was easy then the war took me away
Forget your love war is right
So they taught me how to kill and fight
Love was easy then the war took me away

Killing’s easy with a weapon in your hand
Killing’s easy and they say that war is grand
With their music and their drums
They don’t see the slaughter of the guns
Killing’s easy and they say that war is grand

(Song “Death come easy” H. Andrews)